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Altersvorsorgedepot: Warum ich jetzt doch umdenke - und monatlich 400 € investieren könnte
Lesezeit: 8 Minuten
Ich habe meine Meinung zum staatlich geförderten Altersvorsorgedepot verändert. Aus einem anfänglichen "eher nichts für mich" ist eine konkrete Überlegung geworden.
Veröffentlicht am 18.10.2026
Warum ich meine Meinung ändere.
In meinem ersten Beitrag zum Altersvorsorgedepot und später beim möglichen ETF-Angebot von Scalable Capital war ich persönlich eher skeptisch. Für meine Frau fand ich einen langfristigen, geförderten ETF-Sparplan damals schon interessant, für mich selbst wollte ich mein flexibles Cashflow-Depot aber nicht in ein enges Korsett stecken.
Mittlerweile habe ich weitergerechnet. Warum sollte mein bestehendes Depot nicht einen Teil seiner Ausschüttungen nutzen, um daneben einen staatlich geförderten Kapitalstock aufzubauen? Ich denke dabei nicht an einen Ersatz, sondern an eine zusätzliche Säule. Genau diese Mischung aus Flexibilität heute und gebundenem Kapital für später ist für mich der neue Gedanke.
Meine konkrete Überlegung: monatlich 400 € aus den laufenden Netto-Dividenden in einen weltweit diversifizierten ETF einzahlen. Bei 21 Jahren wären das 4.800 € pro Jahr und insgesamt 100.800 € eigene Einzahlungen. Förderung, Steuern und Renditen sind darin noch nicht enthalten.
Das ist keine Kaufempfehlung. Es ist eine persönliche Rechnung, die ich erst dann umsetzen würde, wenn Gesetz, Angebot und Kosten tatsächlich zusammenpassen.
400 € aus dem Cashflow-Depot.
Als Anlage kommt für mich ein weltweit streuender Vanguard-ETF infrage, den ich bereits in früheren Beiträgen beschrieben habe. Vanguard beschreibt den neuen FTSE Global All-Cap UCITS ETF (ISIN IE000VAHT5T0) als besonders breit gestreut über große, mittlere und kleinere Unternehmen sowohl in den Industrie- als auch Schwellenländern. Der All-Cap umfasst dabei über 10.000 Unternehmen. Ob ein ETF in einem konkreten Altersvorsorgevertrag angeboten werden darf, entscheidet der zertifizierte Anbieter.
Der Vorteil der Idee liegt in der Herkunft des Geldes: Die 400 € sollen nicht zusätzlich aus dem Gehalt kommen. Das Cashflow-Depot finanziert den Betrag. Dadurch werden die Ausschüttungen nicht komplett wieder dort reinvestiert, sondern teilweise in einen langfristigen, geförderten Baustein umgeleitet.
Das Altersvorsorgereformgesetz ist am 26.05.2026 verkündet worden. Zentrale Regelungen treten ab 2027 beziehungsweise 2028 in Kraft. Vorgesehen sind Altersvorsorgedepots ohne Garantien, eine beitragsproportionale Förderung und steuerfreie Erträge in der Ansparphase.
Die Förderung ist jedoch begrenzt und nicht mit einer pauschalen Steuerfreiheit aller Einzahlungen gleichzusetzen. Bei einem geförderten Eigenbeitrag von 1.800 € beträgt die maximale Grundzulage 540 € pro Jahr. 50 % auf die ersten 360 € und 25 % auf die weiteren 1.440 €. Die 540 € sind nur die Grundzulage, Kinderzulagen, Sonderausgabenabzug und persönliche Voraussetzungen sind davon getrennt zu betrachten.
Von 400 € monatlich beziehungsweise 4.800 € jährlich sind daher nicht automatisch alle Beiträge voll zulagefähig. Auch ein kostenloser Sparplan würde keine Kostenfreiheit des ETF bedeuten. Die laufenden Fondskosten, mögliche Depotkosten und Kosten der Auszahlungsphase müssen getrennt betrachtet werden. Die konkrete Scalable-Ausgestaltung und die zugelassenen ETFs prüfe ich deshalb vor einem Abschluss anhand der endgültigen Vertragsunterlagen.
Was aus 400 € monatlich werden könnte.
Modellrechnung für 21 Jahre, monatliche Einzahlung am Monatsende, nominal, vor individueller Steuer und ohne Garantie. Die Werte sind keine Prognose.
| Annahme | Endwert vor Steuern | Eigene Einzahlungen | davon Ertrag |
|---|---|---|---|
| 4 % p. a. | ca. 157.600 € | 100.800 € | ca. 56.800 € |
| 6 % p. a. | ca. 201.200 € | 100.800 € | ca. 100.400 € |
| 8 % p. a. | ca. 260.100 € | 100.800 € | ca. 159.300 € |
Im normalen ETF-Depot würden Vorabpauschale, Teilfreistellung und die Besteuerung realisierter Gewinne eine Rolle spielen. Beim Altersvorsorgedepot werden Erträge nach dem geltenden Modell erst in der Auszahlungsphase besteuert. Die spätere Steuer hängt dann unter anderem vom persönlichen Satz und der Auszahlungsform ab. Ein Vergleich mit 25 % oder 35 % Auszahlungssteuer ist deshalb nur eine Szenario-Rechnung. Die mögliche Zulage oder Steuererstattung darf nicht einfach als "geschenkte Rendite" behandelt werden, wenn ihr eine höhere, spätere Steuer oder ein anderer Eigenaufwand gegenübersteht.
Meine vier Säulen.
Mit dem Altersvorsorgedepot könnte meine Planung künftig auf vier unterschiedlich funktionierenden Säulen stehen: die gesetzliche Rente, die Betriebsrente, das geförderte Depot und mein Cashflow-Depot.
- Die gesetzliche Rente beginnt nach heutiger Planung regulär mit 67, eventuell wäre ein früherer Beginn mit Abschlägen möglich.
- Die Betriebsrente könnte bei mir frühestens mit 60 starten und ungefähr zwölf Jahre laufen.
- Das Altersvorsorgedepot wäre der langfristige Baustein. Sein Kapital ist nicht so frei verfügbar wie mein normales Depot. Dafür kann es nach den gesetzlichen Vorgaben in einen Auszahlungsplan oder eine Rentenlösung übergehen.
- Das Cashflow-Depot bleibt der flexible Teil: Dividenden können reinvestiert, für den Lebensunterhalt verwendet oder - wie in dieser Überlegung - teilweise in eine weitere Vorsorge verschoben werden.
Entscheidend ist für mich, dass diese Quellen nicht alle gleichzeitig beginnen und nicht dieselben Risiken tragen. Eine zeitlich begrenzte Betriebsrente kann die ersten Jahre abfedern, die gesetzliche Rente später eine Grundversorgung liefern und das AVD langfristig ergänzen. Das normale Depot bleibt für ungeplante Ausgaben und einen früheren Ausstieg verfügbar.
Wie sich diese Einkommensquellen später ergänzen könnten, lässt sich mit meinem Rentenrechner durchspielen. Schließlich kommt es im Ruhestand nicht nur darauf an, wie groß das Depot ist, sondern vor allem darauf, wie viel Geld jeden Monat tatsächlich zur Verfügung steht. Die 400 € dürfen dabei natürlich nicht doppelt gezählt werden. Während der Ansparphase fehlen sie im frei verfügbaren Cashflow und erhöhen gleichzeitig das AVD-Kapital.
Mein vorläufiges Fazit.
Noch vor wenigen Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ein Altersvorsorgedepot für mich selbst interessant werden könnte. Heute sehe ich darin eine mögliche Ergänzung zu meinem Cashflow-Depot, meiner Betriebsrente und der gesetzlichen Rente. 400 € im Monat sind für mich ein überschaubarer Betrag - über zwei Jahrzehnte kann daraus trotzdem ein zusätzlicher Kapitalstock entstehen.
Ob ich diesen Weg tatsächlich gehe, hängt von den endgültigen gesetzlichen Details, der Förderfähigkeit meiner Beiträge, den zugelassenen ETFs und den Konditionen des Anbieters ab. Mein Ziel ist nicht, das bestehende Depot zu ersetzen, sondern die Altersvorsorge auf mehrere Säulen zu verteilen. Renditen sind nicht garantiert, Verluste bleiben möglich und gesetzliche Regeln können sich ändern.
Hinweis
Dieser Beitrag beschreibt meine persönliche Überlegung und ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung.
Angaben zum Altersvorsorgedepot beziehen sich auf den Rechtsstand und die offiziellen Informationen, die ich am 18.10.2026 geprüft habe.
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