Eröffne auch du ein Depot bei Trade Republic
Sorgenfrei in Rente
Im April war das neue Altersvorsorgedepot für uns noch eine interessante Idee. Inzwischen wird es konkreter: Scalable Capital hat erste Details genannt – und zeitgleich gibt es einen sehr breit gestreuten Vanguard ETF, der erstaunlich gut zu diesem Gedanken passen könnte.
Veröffentlicht am 23.08.2026
Im April hatte ich mir das neue staatliche Altersvorsorgedepot bereits ausführlicher angesehen. Damals war mein Eindruck: Das Konzept kann eine Chance sein, ist aber kein Ersatz für jedes normale Depot. Daran hat sich für mich nichts geändert. Mein eigener Vermögensaufbau bleibt auf Flexibilität, Dividenden und laufenden Cashflow ausgerichtet.
Für meine Frau sieht die Lage anders aus. Sie hat zwar durch die Kinderdepots bei Scalable Capital auch ein eigenes Depot, bisher aber eine klassische Riester-Rente. Ihr Anlagehorizont ist lang und das Geld ist klar für die Altersvorsorge gedacht. Wenn sich ein transparentes, ETF-basiertes Depot mit Förderung und einer guten Übertragungsmöglichkeit daraus entwickeln lässt, wäre das für uns deutlich spannender als die bisherige theoretische Diskussion.
Wichtig ist mir dabei klar rauszustellen: Das ist keine Werbung für den Anbieter und auch keine Anlageberatung. Die gesetzlichen Details und die konkrete Produktauswahl können sich bis zum geplanten Start noch ändern. Aber dass ein großer Anbieter früh zeigt, wie ein solches Angebot aussehen könnte, macht die Sache greifbarer.
Nach aktuellem Stand soll das Altersvorsorgedepot zum 01.01.2027 starten. Es verbindet staatliche Förderung mit einem langfristig gebundenen Depot. Genau diese Bindung ist für mich persönlich ein Nachteil – für eine Riester-Nachfolge kann sie aber durchaus zum Konzept passen.
Scalable Capital beschreibt zwei geplante Zugänge: ein Altersvorsorgedepot, in dem geeignete Wertpapiere selbst ausgewählt werden können, und ein Standarddepot für Menschen, die keine eigene Produktauswahl treffen möchten. Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail. Für mich ist es aber wichtig: Wer sich mit ETFs beschäftigen möchte, soll es einfach halten können. Wer das nicht möchte, braucht trotzdem eine nachvollziehbare Lösung.
Bei den Kosten lohnt sich ein genauer Blick. Laut den bisher veröffentlichten Informationen sollen beim Standarddepot keine Depot-, Sparplan-, Einzahlungs- oder Auszahlungsgebühren anfallen. Im frei wählbaren Depot sind Depotführung und ETF-Sparpläne nach heutigem Stand ebenfalls kostenlos. Käufe außerhalb von Sparplänen können – je nach Modell – trotzdem etwas kosten. Finanztip ordnet die angekündigten Konditionen detailliert ein.
"Kostenlos" heißt dabei nicht, dass jede denkbare Kostenart verschwindet. Die laufenden Produktkosten eines ETF, also seine TER, bleiben bestehen. Bei einem Wechsel können zudem beim bisherigen Riester-Anbieter Kosten entstehen – das hängt vom Vertrag und dessen Preisverzeichnis ab. Es gibt mittlerweile Informationen, dass ein Wechsel einmalig ca. 150 Euro kosten sollen und Scalable kündigt zwar einen digitalen Wechselservice an, aber ich würde einen bestehenden Vertrag erst dann anfassen, wenn Ablauf, Fristen und die tatsächlichen Kosten schriftlich klar sind. Auch die Auszahlphase bleibt ein zentraler Punkt: Nach aktueller Planung kann ein Teil des Guthabens als Einmalauszahlung entnommen werden, der Rest muss über einen längeren Zeitraum ausgezahlt werden.
Fast gleichzeitig ist mit dem Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF USD Accumulating ein Produkt gestartet, das für so ein Depot sehr gut in mein Beuteschema passen würde (ISIN: IE000VAHT5T0, WKN: A42B1M). Er bildet den FTSE Global All Cap Index ab und verbindet Industrie- und Schwellenländer sowie große, mittlere und kleine Unternehmen in einem Fonds. Die Anteilsklasse ist thesaurierend und wird physisch über optimiertes Sampling umgesetzt. Das gilt nicht für den zugrunde liegenden Index, aber die Fondsgröße und die praktische Entwicklung müssen sich erst zeigen. Die Produktdaten lassen sich bei extraETF und auf der Vanguard-Produktseite nachvollziehen.
Sollte dieser ETF im frei wählbaren Altersvorsorgedepot von Scalable verfügbar sein, wäre er aktuell einer meiner Favoriten. Nicht weil ein einzelner ETF automatisch alle Fragen beantwortet, sondern weil der Ansatz so angenehm schlicht wäre: Altersvorsorgedepot, ein globaler ETF, regelmäßiger Sparplan, staatliche Förderung und sehr viel Zeit.
Gerade für die Altersvorsorge möchte ich keine Konstruktion aus fünf oder zehn ETFs verwalten. Ein breiter Welt-ETF kann die globale Aktienanlage sehr weit abdecken und lässt sich leicht verstehen. Ob genau dieser neue Fonds langfristig die beste Wahl bleibt, weiß heute natürlich niemand. Aber die Richtung gefällt mir: breit streuen, Kosten niedrig halten und nicht aus jedem Depot einen Bastelraum machen.
Bei einer TER von 0,07 Prozent entsprechen die reinen laufenden Produktkosten vereinfacht gerechnet etwa 7 Euro pro Jahr bei 10.000 Euro, 35 Euro bei 50.000 Euro und 70 Euro bei 100.000 Euro Fondsvolumen. Das ist keine vollständige Kosten- oder Renditeberechnung, zeigt aber, warum kleine laufende Kosten über 20, 30 oder 40 Jahre relevant werden können.
Ein Altersvorsorgedepot ist kein normales Depot mit ein paar Extras. Das Kapital ist grundsätzlich für die Altersvorsorge gebunden, die Besteuerung erfolgt nachgelagert und die Regeln der Auszahlphase schränken die Flexibilität ein. Wer vorzeitig an das Geld möchte oder muss, fährt mit einem normalen Depot vermutlich besser.
Auch staatliche Förderung ist kein Selbstläufer. Nach den aktuellen Plänen können geförderte Eigenbeiträge und Zuschüsse sinnvoll sein, aber die persönlichen Voraussetzungen zählen. Einzelheiten zur Förderung, zu Beitragsgrenzen und zur Auszahlung sollte jeder vor einem Wechsel an seinem eigenen Fall prüfen.
Hinzu kommt: Die konkrete ETF-Auswahl von Scalable steht noch nicht vollständig fest. Ein heute günstiger ETF bleibt nicht automatisch für immer das passendste Produkt, und politische Regeln können sich über Jahrzehnte ändern. Deshalb würde ich keinen Riester-Vertrag aus einer Laune heraus kündigen oder übertragen.
Wenn der Wechsel aber wirklich so einfach und transparent wird wie angekündigt, könnte es spannend werden. Das Problem des bisherigen Riester-Systems waren für mich nie nur die Zulagen, sondern die Mischung aus Kosten, Garantien, komplizierten Produkten und wenig Transparenz. Ein schlankes ETF-Depot würde daran zumindest an mehreren Stellen etwas ändern.
Aus der theoretischen Überlegung vom April wird für uns langsam ein konkreter Plan. Für mich selbst ersetzt das Altersvorsorgedepot weiterhin nicht das normale Depot. Für meine Frau könnte ein langfristiger ETF-Sparplan mit Förderung dagegen eine sehr passende Riester-Nachfolge sein – vorausgesetzt, die Details halten, was die ersten Ankündigungen versprechen.
Und was meint ihr? Habt ihr euch schon Gedanken zum Altersvorsorgedepot gemacht? Wenn ja, welchen ETF seht ihr in der engeren Auswahl? Kontaktiert mich gerne bei X unter @mpalkowitsch. Danke euch!