Wer meinen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich mich sehr intensiv mit Vermögensaufbau beschäftige. ETFs, Dividenden und langfristige Anlagestrategien spielen dabei natürlich eine große Rolle. In den letzten Jahren habe ich jedoch festgestellt, dass nicht nur die richtige Geldanlage entscheidend ist. Mindestens genauso wichtig ist die Frage, wie man sein Geld im Alltag organisiert. Genau an diesem Punkt hat unser Mehrkontenmodell einen enormen Unterschied gemacht.
Vor einigen Monaten hatte ich bereits einen Artikel über dieses Thema geschrieben. Damals ging es vor allem darum, warum mehrere Konten für mehr Übersicht sorgen können. Inzwischen hat sich unser System jedoch weiterentwickelt und begleitet uns inzwischen in nahezu allen Lebensbereichen. Besonders unsere Reise nach London hat mir noch einmal gezeigt, wie angenehm es ist, wenn Geld bereits vor der eigentlichen Ausgabe einen festen Zweck bekommen hat.
Vor unserer Reise haben wir unser geplantes Urlaubsbudget bereits einige Wochen vorher bei Revolut in Britische Pfund gewechselt. Das Geld lag auf einem separaten Pfund-Konto und wurde während des gesamten Aufenthalts ausschließlich für unsere Ausgaben in London genutzt. Jedes Essen im Restaurant, jede Fahrt mit der U-Bahn und jeder Museumsbesuch wurde direkt von diesem Budget bezahlt. Wir mussten nie überlegen, wie der aktuelle Wechselkurs steht oder ob die Kreditkarte zusätzliche Gebühren verursacht. Gleichzeitig konnten wir jederzeit sehen, wie viel von unserem Reisebudget noch übrig war.
Auf dem Rückflug wurde uns bewusst, dass wir dieses Prinzip eigentlich schon seit Jahren anwenden. Nicht nur im Urlaub, sondern bei nahezu jeder finanziellen Entscheidung. Genau deshalb möchte ich unser heutiges Mehrkontenmodell einmal ausführlich vorstellen.
Warum wir überhaupt mehrere Konten nutzen?
Früher war unser Geld auf deutlich weniger Konten verteilt. Das Gehalt kam auf das Girokonto, von dort wurden Miete, Versicherungen und Einkäufe bezahlt. Was übrig blieb, wurde gespart oder investiert. Eigentlich ein ganz normales Vorgehen. Trotzdem ertappte ich mich immer wieder bei derselben Frage: Können wir uns das gerade leisten? Interessanterweise lag das nicht daran, dass zu wenig Geld vorhanden war. Vielmehr wusste ich häufig nicht genau, welcher Teil des Kontostands bereits für andere Dinge eingeplant war. Auf dem Konto lagen vielleicht mehrere Tausend Euro, doch ein großer Teil davon war gedanklich bereits für den nächsten Urlaub, die Kfz-Versicherung, Weihnachtsgeschenke oder andere größere Ausgaben reserviert. Der Kontostand vermittelte also eine Sicherheit, die es in Wirklichkeit gar nicht gab. Genau hier setzt das Mehrkontenmodell an. Jeder größere Ausgabenbereich erhält einen eigenen finanziellen Platz. Das Geld bekommt eine Aufgabe, bevor es überhaupt ausgegeben wird. Dadurch verschwindet die Unsicherheit fast vollständig. Statt den gesamten Kontostand zu betrachten, schauen wir einfach auf das jeweilige Budget.
So hat sich unser Mehrkontenmodell entwickelt?
Unser heutiges Mehrkontenmodell ist übrigens nicht von heute auf morgen entstanden. Im Gegenteil, es hat sich über viele Jahre Schritt für Schritt entwickelt.
Am Anfang war alles noch recht klassisch organisiert. Jeder von uns hatte sein eigenes Girokonto, über das Gehalt einging und die persönlichen Ausgaben abgewickelt wurden. Gemeinsame Ausgaben wurden meist einzeln verrechnet oder von einem Konto bezahlt. Mit der Zeit wurde uns jedoch klar, dass ein gemeinsames Konto den Alltag deutlich einfacher machen würde. Deshalb eröffneten wir zusätzlich ein Gemeinschaftskonto bei der DKB, über das heute unsere gemeinsamen Fixkosten wie Miete, Versicherungen oder Strom laufen.
Der nächste Entwicklungsschritt kam einige Jahre später mit den Neobrokern. Trade Republic und Scalable Capital boten plötzlich attraktive Guthabenzinsen auf nicht investiertes Geld. Das führte dazu, dass wir einen Teil unseres Geldes vom klassischen Tagesgeldkonto der Comdirect auf die verzinsten Verrechnungskonten der Broker verlagerten. Das funktionierte grundsätzlich gut, hatte aber einen kleinen Haken. Die Verrechnungskonten dienten gleichzeitig als Konto für Wertpapierkäufe. Dadurch verschwammen nach und nach die Grenzen zwischen Geld, das eigentlich als Rücklage gedacht war, und Geld, das für Investitionen vorgesehen war. Für den Vermögensaufbau war das zwar kein großes Problem, für die Übersicht allerdings schon. Deshalb haben wir unser System erneut angepasst.
Heute versuchen wir, jedem größeren Sparziel ein eigenes Konto zu geben. Der Notgroschen liegt bewusst getrennt bei Scalable Capital, unsere Reisebudgets befinden sich auf separaten Tagesgeld- oder Währungskonten bei Revolut und auch für Freizeit oder größere Anschaffungen nutzen wir eigene Budgets. Gerade Revolut hat unser Mehrkontenmodell noch einmal deutlich aufgewertet. Durch die Möglichkeit, mehrere Unterkonten und sogar verschiedene Währungen anzulegen, können wir Geld heute viel konsequenter nach Themen statt nach Banken organisieren. Für uns spielt es inzwischen kaum noch eine Rolle, bei welcher Bank das Geld liegt. Entscheidend ist vielmehr, dass jeder Euro bereits eine Aufgabe hat. Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, würde ich deshalb niemandem empfehlen, sofort das perfekte Mehrkontenmodell aufzubauen. Viel sinnvoller ist es, mit einer einfachen Struktur zu beginnen und diese nach und nach an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Genau so ist unser heutiges System entstanden, nicht durch einen großen Plan, sondern durch viele kleine Verbesserungen.
Der wichtigste Bestandteil unseres Systems ist, dass möglichst wenig manuell entschieden werden muss. Sobald die Gehälter eingehen, übernimmt unser System praktisch den Rest. Meine Frau erhält ihr Gehalt auf ihr Girokonto bei der DKB, während mein Gehalt auf meinem Girokonto bei der Comdirect eingeht. Das ist bewusst so gewählt. Jeder von uns behält dadurch den Überblick über seine eigenen Einnahmen und persönlichen Ausgaben. Gleichzeitig bleibt eine gewisse Eigenständigkeit erhalten, obwohl wir unsere Finanzen selbstverständlich gemeinsam planen. Kurz nach dem Gehaltseingang greifen mehrere Daueraufträge. Das Geld wird automatisch auf verschiedene Konten verteilt. Bereits nach wenigen Minuten ist praktisch jeder Euro einer konkreten Aufgabe zugeordnet. Genau dieser Automatismus ist aus meiner Sicht der größte Erfolgsfaktor. Wir müssen nicht jeden Monat neu überlegen, wie viel Geld wir für Urlaub, Rücklagen oder den Alltag zurücklegen möchten. Das geschieht ganz automatisch.
Zuerst kommen die Fixkosten.
Der erste größere Geldbetrag fließt auf unser gemeinsames DKB-Konto. Dieses Konto nutzen wir ausschließlich für unsere Fixkosten. Hierüber laufen sämtliche regelmäßigen Ausgaben wie Miete, Strom, Versicherungen, Internet oder verschiedene Abonnements. Der Vorteil liegt auf der Hand: Sobald das Geld dort angekommen ist, wissen wir, dass alle Verpflichtungen des Monats erfüllt werden können. Wir müssen uns darüber keine Gedanken mehr machen und laufen auch nicht Gefahr, dieses Geld versehentlich für andere Dinge auszugeben. Gerade dieser Punkt sorgt für eine enorme innere Ruhe. Die Miete interessiert sich schließlich nicht dafür, ob wir spontan einen schönen Fernseher oder einen Kurzurlaub buchen möchten. Deshalb bekommt sie ihr eigenes Konto.
Unser Haushaltskonto arbeitet sogar für uns.
Ein Bereich hat sich in den letzten Monaten besonders verändert. Unsere alltäglichen Einkäufe bezahlen wir inzwischen überwiegend über Trade Republic. Zunächst ging es uns lediglich darum, Lebensmittel, Drogerieartikel und kleinere Haushalts-ausgaben sauber von allen anderen Zahlungen zu trennen. Mit der Zeit haben wir jedoch festgestellt, dass sich dieses Konto sogar positiv auf unseren Vermögensaufbau auswirkt. Wir nutzen dort sowohl Saveback als auch Round Up. Ein Teil unserer Kartenzahlungen wird automatisch investiert und jede Zahlung wird auf den nächsten vollen Euro aufgerundet. Die Differenz landet ebenfalls im Depot. Natürlich entstehen dadurch keine riesigen Beträge. Genau darum geht es aber auch gar nicht. Vielmehr gefällt mir der Gedanke, dass selbst der Wocheneinkauf langfristig zum Vermögensaufbau beiträgt. Viele kleine Schritte ergeben über Jahre hinweg oft erstaunlich große Ergebnisse.
Urlaub beginnt bei uns lange vor der Abreise.
Ein Bereich, den wir besonders schätzen, ist unser Urlaubskonto. Früher haben wir häufig erst einige Wochen vor einer Reise damit begonnen, Geld zurückzulegen oder den Urlaub direkt vom Girokonto bezahlt. Heute läuft das völlig anders. Jeden Monat wandert automatisch ein fester Betrag auf unsere Tagesgeldkonten bei Revolut. Dort wird das Geld aktuell mit rund 2,25 Prozent verzinst und wartet auf den nächsten Urlaub. Das allein fühlt sich bereits deutlich entspannter an, weil wir jederzeit wissen, welches Reisebudget tatsächlich zur Verfügung steht. Unsere London-Reise hat dieses System noch einmal bestätigt. Bereits vor der Abreise haben wir unser geplantes Budget in Britische Pfund gewechselt und auf einem separaten Währungskonto abgelegt. Während der gesamten Reise wurde ausschließlich von diesem Konto bezahlt. Das mag zunächst nach einer Kleinigkeit klingen, hatte aber einen überraschend großen Effekt. Wir mussten nie überlegen, wie viel eine Ausgabe gerade in Euro kostet, hatten unser Budget jederzeit im Blick und konnten den Urlaub einfach genießen. Für Reisen außerhalb des Euroraums werden wir dieses Vorgehen künftig definitiv beibehalten.
Sicherheit bedeutet für uns einen guten Notgroschen.
Nicht jede Ausgabe lässt sich planen. Irgendwann geht die Waschmaschine kaputt, das Auto benötigt eine größere Reparatur oder eine unerwartete Rechnung landet im Briefkasten. Früher hätte mich so etwas deutlich mehr beschäftigt. Heute wissen wir, dass genau für solche Situationen unser Notgroschen da ist. Dieser liegt bewusst getrennt vom übrigen Vermögen bei Scalable Capital und wird aktuell mit rund 2,5 Prozent verzinst. Unser Ziel sind Rücklagen in Höhe von ungefähr fünf Monats-ausgaben. Dieses Geld ist nicht für Urlaube, neue Möbel oder spontane Wünsche gedacht. Es soll ausschließlich Sicherheit geben. Allein dieses Gefühl, größere unerwartete Ausgaben jederzeit problemlos bezahlen zu können und dabei keine Werte im Depot verkaufen zu müssen, ist für uns unglaublich beruhigend.
Alles, was übrig bleibt, arbeitet langfristig.
Nachdem alle Budgets gefüllt sind, fließt das restliche Geld in unsere Wertpapierdepots. Diese befinden sich bei Trade Republic, Comdirect und Scalable Capital. Historisch hat sich diese Verteilung einfach entwickelt. Gleichzeitig gefällt uns die Flexibilität verschiedener Broker und Sparplanmöglichkeiten. Unser Ziel ist dabei nicht, möglichst häufig zu handeln. Ganz im Gegenteil. Wir investieren langfristig in ETFs und dividendenstarke Unternehmen. Das Depot ist für uns kein Sparkonto für die nächsten Jahre, sondern der Baustein, der unsere finanzielle Freiheit Schritt für Schritt ermöglichen soll.
Geld darf auch Spaß machen.
Ein Punkt wird beim Thema Finanzen häufig vergessen. Nicht jeder Euro muss investiert werden. Aus diesem Grund besitzen wir zusätzlich ein separates Spaßkonto bei Revolut. Dort landet regelmäßig ein fester Betrag, den wir ganz bewusst für Freizeit, Restaurantbesuche oder kleinere Wünsche verwenden. Der psychologische Effekt ist enorm. Wenn wir davon etwas kaufen, haben wir kein schlechtes Gewissen. Das Geld wurde schließlich genau für diesen Zweck eingeplant. Gleichzeitig müssen wir nicht befürchten, versehentlich das Urlaubsbudget oder den Notgroschen anzutasten.
Das eigentliche Geheimnis des Mehrkontenmodells.
Viele denken zunächst, beim Mehrkontenmodell gehe es hauptsächlich um Übersicht. Aus meiner Sicht stimmt das nur teilweise. Der größte Vorteil findet im Kopf statt. Stell dir vor, auf deinem Girokonto liegen 8.000 Euro. Rein theoretisch könntest du davon jederzeit einen Urlaub buchen oder ein neues Smartphone kaufen. Gleichzeitig weißt du aber, dass ein Teil dieses Geldes eigentlich für Versicherungen, Rücklagen oder andere Verpflichtungen gedacht ist. Genau diese Unsicherheit verschwindet durch das Mehrkontenmodell. Jeder Euro besitzt bereits eine Aufgabe. Dadurch fällt es deutlich leichter, gute finanzielle Entscheidungen zu treffen. Wir müssen weniger diszipliniert sein, weil unser System viele Entscheidungen bereits im Voraus getroffen hat.
Unser Fazit.
Wenn mich heute jemand fragt, welche finanzielle Gewohnheit unser Leben am stärksten verändert hat, würde ich wahrscheinlich nicht zuerst über ETFs oder Dividenden sprechen. Ich würde das Mehrkontenmodell nennen. Nicht, weil dadurch unsere Rendite gestiegen ist. Sondern weil wir deutlich entspannter mit Geld umgehen. Wir müssen kaum noch überlegen, ob wir uns einen Urlaub leisten können oder ob die nächste Versicherungsrechnung bezahlt werden kann. Das Geld wartet bereits auf dem passenden Konto. Für uns ist das Mehrkontenmodell deshalb weit mehr als nur eine clevere Kontostruktur. Es ist ein System, das Ordnung in den finanziellen Alltag bringt, Entscheidungen vereinfacht und dafür sorgt, dass Vermögensaufbau fast nebenbei funktioniert.
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis der letzten Jahre: Finanzielle Freiheit beginnt nicht erst beim Depot. Sie beginnt mit einem System, das jedem Euro eine Aufgabe gibt.
Und jetzt zu euch. Verwendet ihr ein ähnliches Mehrkontenmodell? Oder organisiert ihr euch über ein Konto und dann andere Arten (z. B. Buchführung in einer Excel)? Über die ein oder andere Idee und Rückmeldung würde ich mich freuen. Kontaktiert mich gerne bei X unter @mpalkowitsch. Danke euch!