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Sorgenfrei in Rente
Verluste zu realisieren, ist selten angenehm. Aber manchmal ist es der ehrlichere Schritt: Positionen prüfen, die nicht mehr zur eigenen Strategie passen, und Platz für einen klarer ausgerichteten Depotmix schaffen.
Aktualisiert am 22.08.2026
Ein schmerzhafter, aber bewusster Schritt.
Ich habe mich zuletzt von mehreren Verlierern im Depot getrennt. Besonders deutlich waren die Verkäufe von Shutterstock mit −69,85 Prozent und Stellantis mit −51,48 Prozent. Solche Zahlen liest man nicht gern – und noch weniger gern klickt man am Ende auf "Verkaufen".
Solange eine Aktie im Depot liegt, ist der Verlust zunächst nur ein Buchverlust. Man kann auf eine Erholung hoffen und sich sagen, dass noch nichts endgültig entschieden ist. Mit dem Verkauf wird der Verlust dagegen realisiert. Genau das macht diesen Schritt psychologisch so schwer. Trotzdem gehört es für mich zum Investieren dazu, zu eigenen Fehlern zu stehen und daraus Konsequenzen zu ziehen.
Vielleicht hätte ich früher verkaufen sollen.
Rückblickend hätte ich mich von manchen Verlierern vermutlich deutlich früher trennen sollen. Bei Einzelaktien besteht die Gefahr, emotional an einer Position zu hängen. Man hat sich intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt, war einmal von der Geschichte überzeugt und möchte einen hohen Verlust nicht endgültig akzeptieren.
Eine Aktie weiß allerdings nicht, zu welchem Kurs ich sie gekauft habe. Entscheidend sollte deshalb nicht sein, wie weit die Aktie bereits gefallen ist, sondern die Frage: "Würde ich diese Aktie heute mit dem verbliebenen Kapital noch einmal kaufen?" Wenn die Antwort klar Nein lautet, sollte man sich möglicherweise viel früher trennen, anstatt jahrelang auf den eigenen Einstiegskurs zu warten. Das ist keine allgemeine Anlageempfehlung, sondern meine persönliche Erkenntnis aus den vergangenen Jahren.
2026 sind bislang 19.870,35 Euro netto an Dividenden zusammengekommen. Den realisierten Verlusten von 11.614,73 Euro steht damit rechnerisch immer noch ein Plus von 8.255,62 Euro gegenüber. Diese Betrachtung hilft mir vor allem psychologisch: Die Verluste verschwinden dadurch natürlich nicht, aber der laufende Cashflow meines Depots hat sie in diesem Jahr bislang mehr als ausgeglichen.
Für mich ist das ein weiterer Grund, regelmäßig auf die gesamte Entwicklung zu schauen – nicht nur auf eine einzelne rote Position. Ein Depot besteht aus vielen Entscheidungen, und manche davon laufen gut, andere nicht. Wichtig ist für mich, dass das Gesamtbild und die Richtung weiter stimmen.
Der negative Ballast ist weitgehend verschwunden.
Mit den Verkäufen ist – bis auf eine Ausnahme – praktisch der gesamte negative Ballast aus meinen Depots verschwunden. EVRAZ bleibt als unfreiwillige Depotleiche bestehen, weil die Aktie nicht mehr handelbar ist. Bei Shutterstock und Stellantis kam zusätzlich hinzu, dass zuletzt keine Ausschüttungen mehr erfolgten. Damit passten beide Positionen immer weniger zu meiner inzwischen klar auf Cashflow ausgerichteten Strategie.
Ich sehe die Verkäufe deshalb nicht nur als Verluste, sondern auch als Bereinigung und Weiterentwicklung des Depots. Klarheit im Depot ist für mich inzwischen wertvoller als die Hoffnung, dass jede alte Investmentthese doch noch aufgeht.
Die aktuelle Depotaufteilung zeigt, wohin die Reise geht: 58,12 Prozent ETFs, 26,46 Prozent Aktien und 15,42 Prozent Zertifikate. Bei den Zertifikaten handelt es sich um die sogenannten IncomeShares, die ebenfalls auf laufenden Cashflow ausgerichtet sind.
Der verbliebene Aktienanteil besteht im Wesentlichen aus sechs REITs, einem BDC, Mercedes-Benz, Lang & Schwarz und EVRAZ als nicht handelbarer Depotleiche. Damit entwickelt sich das Depot immer stärker weg von vielen Einzelaktien und hin zu breit gestreuten ETFs und Cashflow-Produkten.
Mein langfristiger Fokus liegt immer stärker auf regelmäßigem Cashflow. Eine hohe Dividende allein macht allerdings noch kein gutes Investment. Gerade die Erfahrungen mit einzelnen Aktien haben mir gezeigt, dass Geschäftsmodell, langfristige Entwicklung und Ausschüttungen zusammenpassen müssen.
ETFs reduzieren für mich die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen und bringen gleichzeitig mehr Ruhe ins Depot. Das bedeutet nicht, dass einzelne Aktien grundsätzlich keinen Platz mehr haben. Aber sie müssen für mich heute deutlich besser begründbar sein als früher – und dauerhaft zu meiner Strategie passen.
Der Verkauf hat die Verlusttöpfe auf knapp 37.000 Euro erhöht. Für meine Strategie ist es schade, dass Aktienverluste derzeit nicht einfach mit Dividendenerträgen verrechnet werden können. Steuerliche Regelungen sind komplex und hängen immer vom Einzelfall ab. Ich hoffe persönlich, dass sich die Verrechnungsmöglichkeiten irgendwann weiterentwickeln – darauf verlasse ich mich aber nicht und treffe meine Anlageentscheidungen nicht wegen einer möglichen künftigen Änderung.
Eine Aktie zu kaufen bedeutet nicht, sie für immer behalten zu müssen. Unternehmen verändern sich, Strategien verändern sich und auch meine eigenen Ziele haben sich verändert. Ein hoher Buchverlust allein ist für mich kein Grund, eine Aktie weiter zu halten. Die entscheidendere Frage ist, ob die Position heute noch in das Depot und zur eigenen Strategie passt.
Genau das steckt hinter meinem Grundsatz: Buy – Hold – Check – und wenn nötig: Bye. Kaufen und langfristig halten bleibt für mich wichtig. Aber zum langfristigen Investieren gehört auch, die ursprüngliche These regelmäßig ehrlich zu überprüfen.
Für mich bedeutet das aktuell: Weniger Einzelaktien. Mehr ETFs. Mehr Diversifikation. Mehr Cashflow. Und weniger emotionaler Ballast im Depot.
Die Verkäufe waren nicht schön, aber sie haben mein Depot klarer gemacht. Ich möchte künftig weniger Energie darauf verwenden, alte Fehler zu verwalten, und mehr darauf, ein Depot aufzubauen, das zu meinem Weg in eine sorgenfreie Rente passt.